12.07.2013: 14. Etappe: Brandenburg - Berlin

Obwohl heute der letzte Morgen sein sollte, an dem wir Fahrradfahren sollten, ging alles den gewohnten Gang. Das einzige Problem war, dass der Hausmeister uns um 7 Uhr anstatt um 8 Uhr weckte. Ein Mitarbeiter des brandenburgischen Landesinnenministeriums holte uns in Brandenburg an der Havel ab. Die Zeit verging wie im Fluge und wir hatten an diesem Tag den Eindruck, dass wir nicht 80 km sondern nur 20 km zurücklegen mussten. Das lag zum Teil wohl an dem inzwischen erreichten Trainingsniveau, sicher aber auch an der abwechslungsreichen Strecke und an unserer Vorfreude auf Berlin. Die Fahrradwege waren leer, bestens asphaltiert und idyllisch gelegen. Es ging zunächst die Havel entlang. Besonders schön waren die Seitenarme, die natürlichen Seen mit viel Schilf bilden. Der erste Empfang an diesem Morgen war bei einem Fußballcamp für Kinder. Der Vorsitzende des Clubs und die Innenministerin von Brandenburg richteten warme Worte an uns. Es wurden Kirschen, Himbeeren, Sanddornsaft und Gummibärchen gereicht: alles biologisch angebaut und aus der Region Brandenburg. Kurz vor Potsdam erlebten wir einen unschönen Auftritt eines ungehobelten und aggressiven jungen Autofahrers, bei dem wir froh waren, dass wir mit  Guido einen Polizisten dabei hatten. Obwohl unsere mit Signalwesten gezeichneten  Absperrer eine Seitenstraße gesperrt hatten, damit der Tross ungehindert passieren konnte,  umfuhr ein rücksichtsloser Autofahrer wild hupend und mit quietschenden Reifen die Sperre, fuhr mitten durch die Gruppe und rammte um ein Haar Guido, der ihm mit quer gestelltem Rad und Stoppzeichen den Weg versperrte.  Als Guido sich als Polizist auswies und  ihm dann so richtig die Leviten las, wurde der junge Großkotz plötzlich blass und schließlich, angesichts einer drohenden Anzeige, ziemlich kleinlaut. Kurz nach diesem unangenehmen Auftritt erreichten wir das Schloss Sanssoucis, gebaut von Friedrich II. von Preußen im Stil des Lustschlosses von Versailles. Besonders  beeindruckten uns die groß angelegten Gartenanlagen und der unglaubliche  Prunk aller Orten. Nicht nur das Schloss war mit vielen Goldelementen versehen, sondern auch die luxuriösen Gartenpavillons und die zahlreichen Springbrunnen. Nach einem Gruppenfoto vor dem Treppenaufgang zum Schloss nahmen wir unser Mittagsmahl auf einem Platz mitten in Potsdam ein.

Das nächste Highlight war die Glienicker Brücke, die Berlin (Ortsteil Wannsee) und Potsdam verbindet, indem sie die Havel, den ehemaligen Grenzfluss zwischen  der DDR und der BRD, überspannt. Weltweit bekannt wurde die Glienicker Brücke durch die teilweise spektakulär inszenierten Agentenaustausche zwischen Ost und West. In Berlin ging es ein kleines Stück um den Wannsee und dann voller Begeisterung mitten hinein in den Stadtverkehr der Hauptstadt. Kaum fassbar, dass wir die immense Strecke von 1550km schon zurückgelegt hatten und in Kürze das Brandenburger Tor durchfahren sollten. Als das Tor endlich vor uns auftauchte, waren wir  alle seelisch sehr berührt. Angeführt von einem Franzosen, der eine deutsche Flagge schwenkte und von einem Deutschen mit französischer Flagge, fuhren wir jubelnd und singend  durch das Tor und an dem berühmten Hotel Adlon vorbei direkt zur französischen Botschaft auf dem Pariser Platz. Hier empfingen uns  Familienmitglieder, Betreuern und Passanten mit lautstarkem Applaus. Die Emotionen, der Jubel und die Begeisterung kannten keine Grenzen. Alle sprangen ausgelassen herum, umarmten sich und schossen Fotos in zahlreichen Posen vor dem Brandenburger Tor. Als sich die überschwängliche Begeisterung ein wenig gelegt hatte,  hießen uns die  saarländische Sportministerien und der Kulturbeauftragte der französischen Botschaft herzlich Willkommen und lobten in ihren Ansprachen die Völkerverständigung und die Annäherung zwischen den Franzosen und den Deutschen. Dass diese bestens funktionieren kann, hat, so meine ich, unsere Gruppe auf dieser Tour bewiesen: Durchweg war es so, dass jeder neben jedem fahren konnte und wollte. Wir waren vom ersten Tag an ein Team, wuchsen zu einer Gemeinschaft und schlossen vielfältige Freundschaften, die lange über die Tour hinaus Bestand haben werden.

Am Abend fand  in der Saarländischen Ländervertretung in Berlin der feierliche Abschluss statt. Dass der Garten der Vertretung unmittelbar an das Holocaust-Mahnmal grenzt, erinnerte uns einmal mehr daran, wofür wir uns auf dieser Fahrt eingesetzt haben: Contre la guerre et la haine - pour l´amitié franco-allemand!!

Jeder Fahrer wurde von der Innenministerien vor Publikum ausgezeichnet und persönlich für die großartige Leistung gelobt.  Es folgte eine gesellige Abschluss-Feier mit einem Grillfest, wie es wohl nur Saarländer ausrichten können.  Am späten Abend ließen wir es uns nicht nehmen, noch durch die Szeneviertel der Stadt zu streifen und unseren Abschlussdrink in den Hackeschen Höfen zu nehmen.   

 

Florance Heuwagen & Armin Gottke

 
 
 

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