11.07.2013: 13. Etappe: Wittenberg - Brandenburg

Bevor wir von Wittenberg nach Brandenburg, von der Elbe zur Havel, aufbrachen, wurden wir in der Altstadt vom Bürgermeister, der selbst begeisterter Radsportler ist, verabschiedet. Rentner des Seniorenradwanderclubs führten uns zum Beginn des Radweges. Hier vermuteten wir noch nicht, dass auf dieser Etappe unser Geschick und unsere Konzentrationsfähigkeit gefragt sein würden. Alle hatten sich einen gemütlichen Tag mit nur 85 Kilometern versprochen. Doch bald wurden wir eines Besseren belehrt. Es wurde der Tag des Untergrundes, ein zweites Paris-Roubaix! Durch die idyllischen Felder ging es über mörderisches Kopfsteinpflaster. Es war so extrem, dass viele Mühe hatten, ihre Hände am Lenker zu halten. Es folgten Schotterpisten und Feldwege mit riesigen Schlaglöchern. Irgendwann  nach der Mittagspause standen wir dann in einem wunderschönen Kiefernwald. Das Problem war, dass es permanent leicht bergauf ging und man das Gefühl hatte, man stehe in einem riesigen Sandkasten. Auf der Suche nach Traktion auf einem tragfähigen Untergrund zwängten wir uns am Wegesrand auf einem kleinen Grasrand den Hügel hinauf. Nur oben wurde es nicht besser. Die Rennräder blieben stecken und die, die sich nicht richtig konzentrierten oder wenig Erfahrung hatten,  legten sich mehr als einmal auf die Nase. Das Fahrerfeld zog sich kilometerweit auseinander. An diesem Tag waren wir besonders froh, dass wir unseren Fahrradmechaniker Peter dabei hatten. Jan, ein Fahrradnostalgiker aus Paris hatte ein altes Rennrad mit Rahmenschaltung dabei. Ihm brach - natürlich an einer Stelle im Wald, die kein Begleitfahrzeug erreichen konnte - das komplette Schaltwerk am Hinterrad ab. Peter trennte ohne zu zögern die Kette auf, entfernte das schrottreife Schaltwerk und verkürzte die Kette soweit, dass unser französischer Freund mit einem „Singlespeed“ bis Berlin weiterfahren konnte. Richtig extrem wurde die Strecke, als wir bei einer Abfahrt durch ein Gebiet fuhren, wo erst vor kurzer Zeit Bäume gefällt worden waren. Halbe Stämme und Rinde lagen im Sand kreuz und quer über den „Radweg“. Spätestens hier mussten auch die Mutigsten absteigen. Wir trugen unsere Fahrräder nun durch einen dichten grünen Laubwald und standen bald wieder auf einem Feldweg. Die letzten 15km führten dann über eine halbwegs angenehme Landstraße. Nur in den Ortsdurchfahrten wurden wir immer wieder vom Kopfsteinpflaster durchgerüttelt  Die letzten Kilometer wurden wir von Sportlern aus Brandenburg begleitet. Als wir ankamen, bezogen wir zuerst eine moderne Turnhalle, die - wir staunten nicht schlecht, mit Feldbetten ausgestattet war. Nachdem wir geduscht hatten ging es für die, die Lust hatten, noch auf einen Kaffee in die Altstadt. Hier sahen wir das wunderschöne alte Rathaus und das Wahrzeichen der Stadt, den Roland, eine etwa drei Meter hohe steinerne Figur. Um sechs war der Empfang von Vertretern der Stadt und es gab noch eine kleine Tanzdarbietung einer ansässigen Tanzcrew. Danach gab es Nudeln aus einer Gulaschkanone, wir waren alle ziemlich hungrig. Auf ein Eis ging es dann noch mit beinahe allen Mitfahrern in die Stadt. Der letzte gemeinsame Abend vor unserer Ankunft in Berlin wurde in guter Stimmung gemeinsam verbracht.

Armin Gottke